Therapie

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09.02.2026

Die Praxis als Lebenswerk

Die Praxis als Lebenswerk

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Warum Altersvorsorge und Exit-Strategie nichts mit Aufhören zu tun haben und alles mit Verantwortung

Physiotherapiepraxen entstehen selten aus Kalkül. Sie entstehen aus Überzeugung und Leidenschaft. Aus dem Wunsch, Menschen zu helfen. Aus Fachlichkeit. Aus Nähe. Aus dem Bedürfnis, eigenverantwortlich zu arbeiten und Qualität zu leben. Viele Praxisinhaber erinnern sich gut an die Anfangsjahre. Über die Jahre wird aus dieser Idee ein stabiler Betrieb. Patienten kommen regelmäßig. Mitarbeitende wachsen mit. Abläufe etablieren sich. Der Alltag füllt sich. Verantwortung nimmt zu, oft bis an die Belastungsgrenze. Genau hier beginnt ein Thema, das viele verdrängen, obwohl es zentral ist. Was bedeutet meine Praxis eigentlich für meine eigene Zukunft?

Für viele Praxisinhaber ist ihre Praxis weit mehr als ein Arbeitsplatz. Sie ist Identität, Verantwortung und das größte Vermögensobjekt ihres Lebens. Doch während die Jahre vergehen, Termine sich füllen und der Alltag alles fordert, bleibt eine entscheidende Frage oft unbeantwortet: Welchen Wert baue ich hier eigentlich auf? Nicht nur menschlich, sondern strukturell, wirtschaftlich, unternehmerisch.

Was müsste heute entstehen, damit diese Praxis morgen wirklich trag - fähig ist? Für einen Verkauf. Für den Ruhestand. Für meine persönliche Zukunft. Viele verlassen sich darauf, dass sich das schon fügen wird. Doch ohne klares Konzept bleibt die Praxis Hoffnungsträger, ohne Plan, ohne Richtung und ohne Verbindung zwischen dem heutigen Handeln und dem Wert, der eines Tages zählen soll.

Altersvorsorge neu denken: Ein Zeichen guter Führung

Altersvorsorge wird im Praxisalltag häufig mit „später“ verbunden. Mit Ruhestand. Mit Abschied. Mit Rückzug. Diese Sichtweise macht das Thema schwer und emotional aufgeladen.

Dabei geht es um etwas anderes. Eine gute Altersvorsorge in der Praxis bedeutet, die Praxis heute so zu führen, dass sie morgen tragfähig bleibt. Unabhängig davon, wer sie führt. Eine Exit-Strategie ist kein Abschiedsplan. Sie ist ein Qualitätsmerkmal moderner Praxisführung. Sie zeigt, dass eine Praxis bewusst gestaltet ist. Dass sie strukturell stabil ist. Dass sie wirtschaftlich nachvollziehbar funktioniert. Und dass sie Perspektive bietet. Für Patienten, für Mitarbeitende und für mögliche Nachfolger. Wer sich früh mit diesen Fragen beschäftigt, gewinnt nicht nur Sicherheit für später, sondern Klarheit für den Alltag.

Inhabersicht vs. Käufersicht

Praxisinhaber bewerten ihre Praxis aus der Innenperspektive. Käufer aus der Außenperspektive. Inhaber denken an fachliche Qualität, Persönlichkeit, Erfahrung und gewachsene Beziehungen. Sie gehen oft davon aus, dass ihr Einsatz, ihre Leidenschaft und das, was sie über Jahre aufgebaut haben, an sich einen Wert darstellen. Genau hier liegt ein entscheidender Denkfehler. Käufer bewerten nicht die Vergangenheit, sie bewerten, was davon in die Zukunft übertragbar ist.

Nicht die 30 Jahre Einsatz zählen, sondern das, was daraus entstanden ist:

  • ❯moderne Strukturen,
  • ❯klare Prozesse,
  • ❯wirtschaftliche Stabilität,
  • ❯Zukunftsausrichtung,
  • ❯und vor allem: ein starkes, selbstständig tragfähiges Team.
Käufer fragen nicht, wie viel Herzblut investiert wurde. Sie fragen, wie zuverlässig die Praxis ohne den Inhaber funktioniert. Sie zahlen nicht für Einsatz. Sie zahlen für Sicherheit. Nicht für Persönlichkeit, sondern für Struktur. Nicht für Geschichte, sondern für Planbarkeit. Eine Praxis, die unabhängig vom Inhaber funktioniert, wirkt professionell, stabil und attraktiv. Eine Praxis, die an einer Person hängt, wirkt riskant, auch dann, wenn sie fachlich exzellent geführt wurde.
 

Die größten Denkfehler in der Praxisführung

Viele Praxisinhaber wissen, dass sie sich irgendwann mit der Zukunft ihrer Praxis beschäftigen müssten. In der Realität zeigt sich jedoch meist eines von drei Mustern.
 
Erstens: „Dafür habe ich später noch Zeit.“
Doch Zeit ist kein neutraler Faktor, sie ist der entscheidende Gestaltungsfaktor. Wer früh beginnt, gewinnt Handlungsspielraum und vermeidet Entscheidungen unter Druck.
 
Zweitens: „Meine Praxis läuft doch gut.“
Heute vielleicht. Käufer interessiert jedoch weniger das Jetzt, sondern die Frage, ob diese Stabilität auch morgen noch trägt und ausbaufähig ist.
 
Drittens: „Das mache ich kurz vor dem Verkauf.“
Dann ist es häufig zu spät, um Strukturen wirklich zu verändern. Wichtige Potenziale bleiben liegen und machen sich direkt im Kaufpreis bemerkbar.
 
Der Praxiswert entsteht nicht durch hektisches Aufräumen kurz vor dem Verkauf. Er entsteht durch Kontinuität, Klarheit und bewusst geführte Entwicklung.
 

Was eine Praxis wirklich wertvoll macht

Unabhängig von Größe oder Standort zeigen sich immer wieder dieselben Werttreiber:
  • ❯ Eine geringe Abhängigkeit vom Inhaber.
  • ❯ Ein stabiles und entwickeltes Team.
  • ❯ Transparente und saubere Zahlen.
  • ❯ Eine klare Positionierung im Markt.
 
Diese Faktoren entscheiden darüber, ob eine Praxis als Risiko oder als Chance wahrgenommen wird. Sie sorgen nicht nur für Käuferinteresse, sondern auch für Entlastung und Stabilität im laufenden Betrieb.

 

Warum eine Exit-Strategie den Alltag verbessert

Praxisinhaber, die sich mit Altersvorsorge beschäftigen, berichten häufig von mehr Klarheit im Alltag. Entscheidungen werden leichter. Delegation fällt einfacher. Investitionen werden bewusster. Der eigene Druck sinkt. Exit-Strategie ist kein Zukunftsthema. Sie ist ein Entlastungsthema. Wer weiß, wohin er will, führt anders. Ruhiger. Klarer. Strategischer.
 

Erste Fragen, die alles verändern können

Niemand muss morgen verkaufen. Aber jeder kann heute beginnen, die richtigen Fragen zu stellen. Schon diese Fragen verändern den Blick auf die eigene Praxis. Sie holen den Fokus weg vom reinen Funktionieren und hin zu bewusster Führung, Zukunftsfähigkeit und echtem Gestaltungsspielraum.
 
Welche Rolle soll meine Praxis in meiner Lebensplanung spielen?
  • ❯ Wo bin ich heute noch unersetzlich und warum?
  • ❯ Welche Aufgaben ließen sich sinnvoll abgeben?
  • ❯ Sind meine Zahlen klar, nachvollziehbar und steuerbar aufbereitet?
  • ❯ Wofür steht meine Praxis klar und sichtbar, intern wie extern?
 
Die erste und entscheidende Frage lautet jedoch: Wie ist meine Praxis nachhaltig wirtschaftlich rentabel? Diese Rentabilität darf realistisch kalkuliert sein, inklusive der aktiven Arbeit des Inhabers.
 

Fazit: Verantwortung für das eigene Lebenswerk

Altersvorsorge und Exit-Strategie sind Ausdruck unternehmerischer Reife. Sie zeigen, dass Praxisführung mehr ist als Tagesgeschäft. Wer seine Praxis als Lebenswerk versteht, sollte sie auch so führen. Bewusst. Strukturiert. Zukunftsfähig. Dieser Beitrag ist der Start einer zehnteiligen Artikelserie zur 360° Praxisentwicklung.
 
Peter Eichstaedt & Carsten Löwenkamp
 

EINORDNUNG & VERTIEFUNG

Dieses Thema ist Handlungsfeld 9 von 10 der 360° Praxisentwicklung. Die 360° Praxisentwicklung bietet:

  • ❯ einen strukturierten Selbstcheck über alle zehn Handlungsfelder,
  • ❯ ein Workbook mit Reflexionsfragen und Praxisübungen,
  • ❯ sowie ein KI-gestütztes Tool zur individuellen Praxisentwicklung.

Über diesen Link erhalten Sie Zugang zu Workbook, Selbstcheck und KI-Tool.


Autoren
 
Peter Eichstaedt ist Unternehmer, Inhaber und Geschäftsführer von E+S | YOLii.
Carsten Löwenkamp ist Inhaber von 3Praxen, Coach und Berater.
 

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